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KA30: Freundschaft

Freundschaft ist vor allem durch die vielfältigen Formen des Austauschs gekennzeichnet. Ob Brieffreunde, Blutsbrüder, Seelenverwandte, Mentoren oder Lebensretter – Freunde können vieles sein. Bereits im Spätmittelalter ist Freundschaft ein Thema in der Literatur, wie am Beispiel der paradigmatischen und dialogischen Struktur in „Loher und Maller“ deutlich wird. Romane von Christian Kracht, Benjamin Lebert und Wolfgang Herrndorf zeigen eindringlich, dass dieses Thema auch in der deutschen Gegenwartsliteratur präsent ist, wenn sie durch verschiedene Erzählweisen die Möglichkeiten von Freundschaft ausloten. Erzählen als eine Manifestation von Freundschaft wird auch am Beispiel des textüberschreitenden Auftretens von Michael Köhlmeiers Romanfigur deutlich. Wie freundschaftlicher Austausch auf literarische Werke einwirken kann, wird mit Blick auf Virginia Woolf und Thomas Kling wie auch auf Thomas Glavinic und Daniel Kehlmann beleuchtet. Auch die Rolle des Freundes als Biograph, bezogen auf das Werk Thomas Manns und Christa Wolfs, ist Thema in dieser Ausgabe, ebenso die existentielle Bedeutung von Solidarität am Beispiel der Frauenfreundschaften im Pflanzenzuchtkommando des Auschwitzer Nebenlagers Rajsko.

Inhaltsverzeichnis

INHALT

3 Editorial
5 Inhaltsverzeichnis
140 Die Fotografien dieser Ausgabe

THEMA

7 CAROLINE FRANK: Vom Ich zum Du – und wieder zurück. Die Beziehung zwischen Freundschaft und Identitätsbildung im deutschsprachigen Adoleszenzroman der Gegenwart
15 ANTJE GRAF: Figur der Freundschaft. Sebastian Lukasser als textüberschreitendes Phänomen im Werk Michael Köhlmeiers
19 IZABELA RAKAR: »verbrei / terte breitn-/wirkun’?« Thomas Kling in Freundschaftskonstellationen
25 MILENA NIESEN: Hommage an eine Riesin. Virginia Woolfs Friendships Gallery als heimliches Manifest weiblicher Solidarität
29 ERKAN OSMANOVIC: Die Vermessung einer Freundschaft. Thomas Glavinic und Daniel Kehlmann
35 FRIEDERIKE VON SCHWERIN-HIGH: Der beste Freund als Biograf. Thomas Manns Doktor Faustus und Christa Wolfs Nachdenken über Christa T.
41 ANNE D. PEITER: »Mir geht es immer gut.« Frauenfreundschaften im Pflanzenzuchtkommando des Auschwitzer Nebenlagers Rajsko
47 ANNE-KATRIN FEDEROW: Freundschaft zwischen narrativer Ausformung und sprichwörtlicher Rede. Der Zusammenhang von paradigmatischer und dialogischer Struktur im Loher und Maller

PORTRAIT & INTERVIEW

53 HANNAH KOMROWSKI | MILENA NIESEN: »Lyrik muss man nicht vor dem Kamin mit einem Glas Rotwein lesen«. Interview mit dem Lyriker Christoph Wenzel
59 TOBIAS STENZEL: Fünfzehn Jahre später. Andreas Neumeisters fortgesetzte Auseinandersetzung mit Popgeschichte in Gut laut

REZENSIONEN

67 PETER BERGER: Die Kunst der Weltklugheit. Adam Soboczynskis Roman Fabelhafte Eigenschaften
68 MICHAEL ECKARDT: Weimar(er) Roman - Bau - Technik. Vom Ingenieur, dem auch eine Trilogie nicht zu schwör ist
70 CLARISSA BENNING: »Leben ist eins und Tod ist null«. Christoph Poschenrieders Mauersegler mischt Gesellschaftskritik mit Humor
72 FABIAN BEER: »Die Dozentin strahlt mit Worten«. Julia Trompeters Zum Begreifen nah – Gedichte einer logophilen Philosophin und sophophilen Philologin

FORSCHUNG

76 JÁN DEMČIŠÁK: »Es gibt mehr als Weibernähe!« Zum Konzept der Freundschaft in frühen Texten Bertolt Brechts
81 KAY NAGEL: Georg Spalatin und Veit Warbeck – Netzwerk und Freundschaft im 16. Jahrhundert
86 CHRISTINA KÜPPER: »Lassen Sie mal von sich hören und grollen Sie nicht«. Marcel Reich-Ranicki als Netzwerker innerhalb der Gruppe 47
91 MATTHIAS HENNIG: Das Ohr im Text. Notiz zu Kafkas Der Bau
94 FRANZISKA KLEMMER: »Laß uns fest zusammenhalten!/ Denn wir kennen uns einander.« Lyrik und Lebenswelt: Zu einem grundlegenden Zusammenhang bei Eduard Mörike
97 HANNAH FISSENEBERT: Zwischen Theorie und Alltag. Philipp Felschs Fallstudie über die Westberliner Theoriekultur von 1960–1990

IN DER TAT: LINGUISTIK

101 MARTIN VOIGT: Voll Hübsch Süße ! ♥ – Danke mein schatz du aber auch ♥. Zur emotionalisierten Sozialkompetenz in online vernetzten Mädchencliquen
108 FABIAN BROSS: Anlauttabellen – Segen oder Fluch im Schriftspracherwerb?

VERGESSENE AUTOREN

118 MICHAEL WETTER: »Schön ist sie auch nicht.« Maria Lazars Spottlust in Die Eingeborenen von Maria Blut

LITERATUR

121 LUKAS HERMANN: Ich habe irgendwo gelesen
123 CRAUSS: rosenzauber. and so there is no violet there but by accident
125 PHILLIP KAMPERT: Vergängnis
129 LOTHAR KITTSTEIN: Was glaubst du, wer du bist
131 HAZEL ROSENSTRAUCH: Können wir auch? Hommage an Siegfried Kracauer mit geschlechtsbedingter Widerrede
134 JOHANNES WITEK: Landschaftsporträt mit Hund | Geschwisterliebe | Dobermänner, Kokain, Transvestiten, Sonntagabend | Gerede | Die Champagne Supernova der Zwischenmenschlichkeit

CAUSERIE – KOLUMNE – KOMMENTAR

139 ANDY SCHOLZ: Daran beißt man sich die Zähne aus

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