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Viktoriakarree

Umgeben von vier Straßen, befindet sich an der Südostflanke des historischen Stadtkerns von Bonn das sogenannte »Viktoriakarree«. Als »Block 1« bezeichnet, nahm der Wiederaufbau der zerstörten Innenstadt nach dem Krieg von hier aus seinen Anfang, noch bevor Bonn zur Hauptstadt erklärt wurde.

Um das Viktoriakarree ist ein veritabler Streit entbrannt. Die Planungen eines österreichischen Investors sehen den Abriss großer Teile des Karrees vor und erfordern den Verkauf weitflächiger kommunaler Liegenschaften. Während die einen den Verlust gewachsener Strukturen befürchten und sich dagegen wehren, dass die Umformung des Viertels in direkter Nachbarschaft zur Universität soziale Entfremdung, ästhetischen Ruin und den Fortfall öffentlicher Einrichtungen zur Folge haben könnte, setzen die anderen auf ihr Konzept der wirtschaftlichen Zukunft: In dem bislang eher unprätentiösen Bereich soll ein Shopping Center großen Stils entstehen, das der verschuldeten Stadt ein Zentrum des Handels mit Ausstrahlung in die gesamte Region verspricht. Kulturelle Institutionen wie das Stadtmuseum, das seinen Sitz im Viktoriakarree hat, sind hier nicht mehr vorgesehen.

Boris Schafgans stellt in seinem illustrierten Essay die Frage nach der Dimension des historisch verwitterten Areals und schildert aus sozialdokumentarischer und stadtraumgeschichtlicher Perspektive die unterschiedlichen Verdichtungs-, Klärungs- und Zersplitterungsprozesse im Laufe von hundert Jahren. Von zentraler Bedeutung für das Verständnis des Stadtgebiets sind die Nachkriegsplanungen im städtischen Großprojekt »Umlegung der Altstadt Bonn« (1945–1969).