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Prinzip Synthese

Seit Lessing einst die Vermischung von Literatur und Malerei – und damit das Verquicken der Darstellungen von Zeit und Raum – tabuisierte, ist viel Zeit vergangen. Heute lesen wir mit großer Selbstverständlichkeit Comics, ein Medium, das sich genau diesen Gegensatz von Schrift und Bild zunutze macht. Doch trotz der gesteigerten öffentlichen Wahrnehmung in den vergangenen Jahren kommt dem Comic gerade von seiten der Wissenschaft noch immer nicht das Interesse zu, das er verdient.

Der erste Band der Edition Kritische Ausgabe beleuchtet in wissenschaftlichen Essays das erzählerische Potential des Mediums und zeigt auf, in welch vielfältiger Weise Comics den Gegensatz von Schrift und Bild fruchtbar machen.
Abgerundet wird der Band durch Rezensionen, ein Interview mit der Comiczeichnerin Barbara Yelin und kurze Strips und Geschichten von jungen deutschen Comiczeichnern und -zeichnerinnen.

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Der Comic besitzt eine große Fülle an Möglichkeiten.
Das Benutzen von Tiermasken bei
Maus zum Beispiel ist eine Art der Reduzierung, die es dem Betrachter ermöglicht,seine persönlichen Erfahrungen und Gefühle darauf zu projizieren. Ein Mauskopf, aus wenigen Strichen zusammengesetzt, kann tatsächlich mehr Gefühle transportieren als eine Zeichnung, die ganz genau ausstrichelt, wie sich jemand fühlt, wie er sich freut oder leidet. Einen ähnlichen Effekt gibt es bei Waltz with Bashir. Dort schaffen die überzeichneten Figuren und Gesichter eine Distanz, die dann paradoxerweise dazu führt, daß das Dargestellte dem Betrachter wieder näher kommt.
Barbara Yelin
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INHALTSVERZEICHNIS

5 Vorbemerkung

7 Ute Friederich: »No game playing for its own sake here«. Wie Charles Forbell in seinen fast vergessenen Zeitungscomics bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts das erzählerische Potential des Mediums auslotete
12 Holger Wendt: Was sehen wir, wenn wir nichts sehen?
Der nicht-visualisierte Zwischenraum im Comicstrip
17 Mathis Bicker: Museumslektionen. Comic und Archiv, ein Versuch

25 Comic Schwarwel

29 Eine neue Art von Stofflichkeit. Ein Gesprach mit der Comic-Zeichnerin Barbara Yelin über Unmittelbarkeit und Leerstellen

32 Comic Barbara Yelin

33 Dirk Walbruhl: Der Comicroman und seine Wegbereiter: Watchmen, Maus und From Hell
39 Katharina Stenzel: Vater-Sohn-Beziehungen in Jimmy Corrigan – ödipale Konflikte?

44 Comic Jul Gordon

48 Alexander Klähr: Die Leuchttürme und die Frauen. Gedanken zum Frauenbild im Comic am Beispiel Alan Moores und Frank Millers – knapp 25 Jahre nach Watchmen und The Dark Knight Returns
53 Alexander Scholz: Man kann niemanden überholen, wenn man in seine Fußstapfen tritt.
Filmische Reminiszenzen an die Asthetik des Comics

57 Comic Birgit Weyhe

61 Melina Cichon: Comics in Österreich – das weite (unbekannte) Land
65 Joachim Trinkwitz: Zwischen Fantum und Forschung: Comics an der Universität.
Ein Erfahrungsbericht aus vier Jahren universitarer Lehre zum Thema
72 Ute Friederich: Abgedroschen und doch nicht abzuschütteln? Zwei Sammelbände zur Comicforschung und die ewige Auseinandersetzung mit dem Stigma des Populärkulturellen

76 Comic Andreas Schuster

80 Lisa Schottler: »Wenn euch Blut lieber ist als Musik, dann … tötet mich!« David Prudhommes Graphic Novel Rembetiko illustriert Sinnlichkeit und Lebensgefühl des griechischen Blues
83 Dirk Walbrühl: Die Logik der Comics. Die Darstellung komplexer Themen im Comic zwischen wissenschaftlichem Anspruch und gekonnter Parodie

87 Comic Björn Hammel

88 Zu den Autorinnen und Autoren und Zeichnerinnen und Zeichnern

94 Impressum