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Bauen für die Bundeshauptstadt

Als der Parlamentarische Rat am 10. Mai 1949 die Hauptstadtfrage diskutierte und Bonn mit 33 zu 29 Stimmen als Übergangslösung wählte, machte sich kaum jemand Gedanken darüber, welche Auswirkungen das auf die kleine Universitätsstadt haben würde, welche Strahlkraft sie einmal entfalten sollte. Da Berlin als tatsächliche Hauptstadt und Regierungssitz mit jedem Jahr weiter aus dem Blickfeld verschwand, wurde aus dem Provisorium unvorhergesehen eine Dauerlösung, die mit der Zeit auch eine breite Akzeptanz gewann.

So richtete man sich also ein in der Gelassenheit des rheinischen Wesens, der Idylle des Siebengebirges und der direkten Gespräche bei kurzen Wegen, in dem bald als Bundesdorf bekannt gewordenen Bonn.

Die Kombination umfunktionierter, umgebauter und neuer Gebäude für das bundesrepublikanische Deutschland und seine zahlreichen Behörden, Beamten und Beschäftigten, für Bundestag, Bundesrat und Bundesministerien, gab dem Stadtbild allmählich einen ganz eigenen, unverwechselbaren Charme und das Flair einer geradezu gemütlichen, nicht protzenden Hauptstadt. Denn fast alle Bauten, die bis in die Mitte der 1960er Jahre in Bonn entstanden, wurden für die Zwischenzeit errichtet. Und doch sollte das Vorübergehende attraktiv und auch repräsentativ sein – ein wahrer Spagat.

Was als Übergangslösung gemeint war, wurde schließlich etwas Besonderes in der deutschen Architekturgeschichte und zeugt vom Einfallsreichtum im besonderen Klima der Bonner Republik. 20 Jahre nach der Wiedervereinigung ist es um die architektonischen Zeugnisse dieser Zeit still geworden. Stück für Stück drohen wichtige Erinnerungsstätten für immer verloren zu gehen.

Dieser Band lädt ein zu einer Reise in die Bonner Republik, ihren Glanz und ihre Wärme – und ist zugleich eine Darstellung dessen, was heute bereits, wenn nicht schon verschwunden, so doch zu Unrecht vergessen scheint.
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Mit Beiträgen von Kristin Bartsch, Simon Falke, Isabel Fockele, Camilla Herberhold, Josephin Kerkhoff, Rebekka Magis, Georg Metternich, Max Meier, Clemens Ottenhausen, Susanna Stett und Vorworten von Rita Süssmuth und Jürgen Nimptsch

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